Alisa Mouji Becker

Unser Schicksal ist Teil unseres Lebens. Es formt unseren Blick auf die Welt, auf andere Menschen und auf uns selbst. Auch mein eigener Lebensweg hat meine therapeutische Haltung entscheidend geprägt.

Psychische Krisen treffen irgendwann fast jeden. Manche Menschen finden nach einiger Zeit von selbst wieder heraus. Andere verlieren unterwegs die Orientierung und wissen irgendwann nicht mehr, woran sie sich überhaupt noch festhalten können.

Ich kenne dieses Gefühl nicht nur aus meiner therapeutischen Arbeit.

Mein eigener Lebensweg war geprägt von frühen belastenden Erfahrungen, dem Aufwachsen zwischen zwei Kulturen und der Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Sichtweisen und Wertesystemen, die beide Welten mit sich brachten. Später folgten viele Jahre, in denen ich selbst unter wiederkehrenden depressiven Episoden und Angstzuständen litt. Es war ein langer Weg, bis ich verstand, dass nachhaltige Veränderung nicht darin besteht, Symptome zu bekämpfen, sondern ihre Ursachen zu verstehen.

Diese Erfahrung prägt meine therapeutische Haltung bis heute.

Ich begegne Menschen nicht mit vorgefertigten Antworten oder schnellen Lösungen. Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte mit, seine eigenen Erfahrungen, seine eigenen Prägungen und seine ganz persönliche Art, die Welt wahrzunehmen. Deshalb glaube ich nicht daran, Menschen nach allgemeinen Maßstäben bewerten und beurteilen zu können. Mich interessiert, wie Sie so wurden wie Sie sind, wie Ihre innere Welt entstanden ist und welche Bedeutung Ihre Symptome in Ihrem Leben haben.

Über viele Jahre habe ich mich intensiv mit Psychologie, Persönlichkeitsentwicklung und verschiedenen therapeutischen Ansätzen beschäftigt. Besonders prägend war meine langjährige Mitarbeit im Umfeld systemischer Therapie und integrativer humanistischer Methoden. Dort durfte ich mehrere hundert therapeutische Prozesse aus nächster Nähe begleiten und erleben, wie unterschiedlich Heilungswege verlaufen können – und wie viel Kraft entsteht, wenn Menschen beginnen, sich selbst besser zu verstehen und anzunehmen.

Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht die Überzeugung, dass Gefühle nicht unser Gegner sind. Symptome betrachte ich nicht als Störung, die möglichst schnell beseitigt werden muss, sondern als Ausdruck innerer Zusammenhänge. Sie weisen auf Erfahrungen hin, die verstanden und integriert werden möchten.

Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt deshalb in frühen Prägungen und Kindheitserfahrungen. Viele Schwierigkeiten des Erwachsenenlebens haben ihre Wurzeln in einem frühen schmerzhaften Erleben, das unser Nervensystem bis heute beeinflusst. Vergangenes lässt sich nicht ungeschehen machen. Aber wir können lernen zu verstehen, wie es bis heute wirkt – und dadurch neue Handlungsspielräume gewinnen.

Ebenso wichtig ist mir der systemische Blick. Kein Mensch ist eine Insel. Er entwickelt sich nicht losgelöst von seinem Umfeld. Familie, Beziehungen, Kultur und gesellschaftliche Erfahrungen hinterlassen Spuren. Wer diese Zusammenhänge erkennt, findet häufig nicht nur Erklärungen für das eigene Erleben, sondern auch neue Orientierung und Frieden mit sich selbst.

Therapie verstehe ich deshalb nicht als Reparatur, sondern als gemeinsamen Entwicklungsprozess. Sie braucht Zeit, Offenheit und die Bereitschaft, sich den eigenen Gefühlen zuzuwenden. Ich begleite Menschen, die diesen Weg gehen möchten – respektvoll, wertschätzend und in ihrem eigenen Tempo.

Der Leuchtturm:

Ich habe diesen kleinen Leuchtturm vor einigen Jahren auf Krk (Kroatien) fotografiert. Seitdem begleitet er mich ständig und geht mir nicht mehr aus dem Kopf.

Für mich steht ein Leuchtturm nicht nur für Licht. Er steht für Übergänge: dem zwischen Land und Wasser, Bewusstsein und Unterbewusstsein, Unwissenheit und Erkenntnis…
Er steht für Orientierung. Für jemanden, der auch dann ruhig bleibt, wenn andere den Überblick verlieren. Ein guter Leuchtturmwärter muss nicht nur wissen, wann es dunkel wird. Er muss navigieren können. Er muss die Küste kennen, die Untiefen, die Strömungen und den sicheren Weg durch schwierige Gewässer.
Und er steht für Stabilität. Er weicht nicht aus, passt sich nicht an. Das muss er nicht. Er ist ein Leuchtturm und muss das nicht in Frage stellen. Er definiert sich durch das, was er ist, nicht das, was er tut.

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich diesen Beruf so gerne ausübe. Weil ich nie vergessen möchte, wie wichtig so ein Leuchtturm sein kann – ganz gleich, ob man gerade Wärter oder Kapitän ist.

Wie möchten Sie weitergehen?