Aufstellungen:
Aufstellungen sind ein systemisches Zugangsformat, mit dem unbewusste Dynamiken, Beziehungsgeflechte und innere Verstrickungen erfahrbar werden. Indem wir Personen, Rollen oder innere Anteile im Raum platzieren, werden Muster sichtbar, die oft lange im Hintergrund gewirkt haben. Diese Klarheit öffnet den Raum für ordnende Einsichten, neue Perspektiven und spürbare Veränderungen, die über das rein Gedachte hinausgehen. Aufstellungen schaffen Kontakt zu relationalen Feldern und helfen, Herkunft, Bindungen und innere Teilpersönlichkeiten in lebendige Zusammenhänge zu bringen.
Dynamiken sichtbar machen – ohne Wahrheitsanspruch
Aufstellungen schätze ich, weil sie systemische Zusammenhänge nicht nur sichtbar, sondern offensichtlich machen. Beziehungen, Loyalitäten, Spannungen und Ausschlüsse werden im Raum wahrnehmbar – oft mit einer Stimmigkeit, die überrascht. Nicht, weil dort „Wahrheiten“ offenbart würden, sondern weil etwas sichtbar wird, das der Verstand allein häufig nicht erfassen kann.
Eine Aufstellung zeigt keine objektive Realität und keine letzte Wahrheit. Sie ist immer eine Momentaufnahme aus der Perspektive des Klienten – inklusive dessen, was unbewusst wahrgenommen wird. Unser Unterbewusstsein registriert wesentlich mehr, als durch die Filter des bewussten Denkens gelangt. Die Aufstellungsarbeit umgeht diese Filter und macht innere Wahrnehmungen erfahrbar.
Dabei arbeite ich klar begrenzt:
Ich interveniere ausschließlich am Klienten, niemals an anderen Personen. Nicht anwesende Menschen werden nicht „bearbeitet“. Das Feld wird gebeten, nur das zu zeigen, was für den Klienten stimmig und vertretbar ist, zu sehen. Verantwortung bleibt dort, wo sie hingehört.
Aufstellungen sind für mich Initialzünder. Sie stoßen innere Bewegung an, schaffen Orientierung und Verständnis – ersetzen jedoch nicht die weitere integrative Arbeit. Sie ordnen auf einer kognitiven und emotional wahrnehmbaren Ebene, kommen aber nicht am Fühlen vorbei. Wer glaubt, mit einer Aufstellung die eigene innere Arbeit umgehen zu können, wird nicht weit kommen.
Inhaltlich richte ich meinen Blick in Aufstellungen immer auf eine zentrale Frage:
Wer oder was fehlt?
Was ist ausgeschlossen, nicht anerkannt, bewertet, verurteilt oder ignoriert? Wenn das, was ausgeschlossen war, wieder dazugehören darf, kommt das System zur Ruhe. Dann entsteht Frieden – nicht als Konzept, sondern als spürbarer Zustand.
Ich setze Aufstellungen gezielt ein:
• wenn systemische Kontexte eine Rolle spielen (Familien, Teams, Organisationen)
• wenn emotionale Zugänge (noch) nicht erreichbar sind
• zur Klärung von Entscheidungen oder zur Überprüfung innerer Wahrnehmungen
• um Dynamiken sichtbar zu machen, die im Gespräch allein schwer greifbar sind
Eine Aufstellung ist für mich gelungen, wenn sie Erkennen und Verstehen ermöglicht. Wenn sich etwas ordnet. Wenn Ruhe einkehrt.
Was Aufstellungen nicht dürfen:
Sie dürfen kein Ersatz für Eigenverantwortung sein. Sie geben Hinweise, öffnen Perspektiven und stoßen Prozesse an – die innere Arbeit bleibt Aufgabe des Menschen selbst.

