Integrative Therapie:
Integrative Therapie ist kein starrer Methodenmix, sondern ein maßgeschneiderter Prozess, der sich am Menschen orientiert, nicht an einem Lehrbuch. Sie verbindet Elemente aus verschiedenen Therapieformen – dialogische Arbeit, körperliche Wahrnehmung, emotionale Integration, systemische Perspektiven – und richtet sich nach dem, was in Ihrem Prozess gerade sinnvoll ist. Ziel ist es, Ihre inneren Anteile, Prägungen und emotionalen Erfahrungen nicht nur zu verstehen, sondern in einen lebendigen Zusammenhang zu bringen, der Ihren Alltag stärkt und Stabilität schafft. Integrativ bedeutet, dass wir nicht an Symptomen „rumschrauben“, sondern an den dahinter liegenden Zusammenhängen arbeiten – stets responsiv, nicht rezeptiv.
Integration statt Verdrängung:
Integrativ zu arbeiten bedeutet für mich vor allem eines:
Nichts von dem wegzuschieben, was da ist. Denn was verdrängt oder abgespalten wurde, verschwindet nicht – es wirkt weiter.
Erfahrungen, insbesondere überwältigende oder nicht regulierbare, speichern sich im Körpergedächtnis und in neuronalen Netzwerken ab. Ob wir uns bewusst erinnern können oder nicht, ist dabei zweitrangig. Symptome, emotionale Reaktionen und scheinbar „unpassende“ Verhaltensweisen sind oft die Erinnerung selbst – nicht in Form von Bildern oder Geschichten, sondern als körperliche und emotionale Reaktionsmuster.
In meiner Arbeit steht daher nicht die Frage im Vordergrund, was jemand erlebt hat, sondern was es mit ihm oder ihr gemacht hat. Entscheidend ist die Reaktion des Nervensystems: Angst, Wut, Erstarrung, Rückzug, Überreaktion. Diese Reaktionen sind häufig nicht auf das Hier und Jetzt bezogen, sondern wurzeln in früheren Erfahrungen, in denen Regulation nicht möglich war.
Viele Menschen versuchen, sich vor dem Wiedererleben dieser inneren Zustände zu schützen – durch Kontrolle, Rückzug, Anpassung oder den Versuch, andere oder die äußeren Umstände zu verändern. Das ist nachvollziehbar, funktioniert jedoch langfristig nicht. Im Gegenteil: Häufig werden dadurch dieselben inneren Dynamiken immer wieder neu inszeniert.
Integrative Therapie bedeutet, diesen Kreislauf zu unterbrechen.
Nicht durch sofortiges Handeln, nicht durch Kontrolle des Außen, sondern durch Anerkennung dessen, was innerlich wirkt. Gefühle, die damals entstanden sind, wollen als das gesehen werden, was sie sind: Reaktionen auf eine frühere Realität. Sie müssen nicht „bearbeitet“, aufgelöst oder verändert werden – sie wollen angenommen werden.
Erst wenn das gelingt, entsteht Differenzierungsfähigkeit:
Die Fähigkeit, zwischen damaliger Erfahrung und heutiger Situation zu unterscheiden. Aus dieser inneren Klärung heraus wird es möglich, nicht mehr aus alten Schutzmustern zu handeln, sondern aus einem erwachsenen, präsenten Anteil heraus zu reagieren.
Mit dieser Integration kehren Energie und innere Souveränität zurück. Gefühle müssen nicht länger unterdrückt werden und können wieder als das genutzt werden, was sie ursprünglich sind: Sinnesorgane, die relevante Informationen über die eigene innere und äußere Realität liefern.
Gefühle aus der Vergangenheit brauchen Anerkennung.
Gefühle im Hier und Jetzt sind Orientierung.
Integrative Therapie schafft den Raum, beides voneinander zu unterscheiden – und sich dem Leben wieder mit Klarheit und innerer Freiheit zu begegnen.

